Definition maternale Sepsis

Definition (WHO 2017) – Maternale Sepsis

  • Maternale Sepsis ist ein lebensbedrohlicher Zustand, definiert als Organfunktionsstörung infolge einer Infektion während der Schwangerschaft, unter der Geburt, nach einem Abort oder im Wochenbett

Wochenbettperiode

  • Zeitraumvon der Geburt bis 6 Wochen danach

  • Nach der Geburt kehren die Veränderungen der mütterlichen Physiologie progressiv auf das Niveau vor der Schwangerschaft zurückEtwa nach einer Woche nach der Geburt ist die Physiologie grösstenteils normalisiert

  • Empfehlung: Postpartale Sepsis ab der 2. Woche nach der Geburt an die Definition für nicht-schwangere Patientinnen anpassen 

Warum relevant

  • Maternale Sepsisführendeoft vermeidbare Ursache mütterlicher Morbidität und Mortalität

  • Verzögerte Erkennung und späte Antibiotikagabe verschlechtern den Outcome

  • Mortalität bei septischem Schock >40 % 

Spezifizität in der Schwangerschaft und frühem Wochenbett:

  • Das frühzeitige Erkennen einer maternalen Sepsis ist in dieser Phase besonders schwierig Die normalen physiologischen Veränderungen während der Schwangerschaft und Postpartum können typische Anzeichen einer sich entwickelnden Sepsis verdecken

  • Eine weitere Besonderheit: bei der Schwangeren dient der Fetus  als «Frühwarnsystem» für die Durchblutung der Organe kindlichen Gefährdung (fetal distress) könnte auf Sepsis (mit oder ohne hämodynamischer Instabilität) hinweisen (4). 

Epidemiologie der maternalen Sepsis

Globale Relevanz

  • Eine der führenden Ursachen für Morbidität & Mortalität bei Schwangeren/Wöchnerinnen

  • Globale Inzidenz: 494 pro 100’000 Schwangerschaften 

  • Inzidenz & Mortalität variieren stark nach Region und Versorgung

Aktuelle Daten

  • MBRRACE-UK Report (2021–2023): maternale Sepsis = 2. häufigste direkte Todesursache nach thromboembolischen Ereignissen

  • Nordische Länder (2005–2021): maternale Sepsis = 5. häufigste mütterliche Todesursache 

Fazit – Maternale Sepsis
  • Trotz regionaler UnterschiedeFrüherkennung, standardisierte Prozesse und schnelle Therapie können das Outcome deutlich verbessern

  • Symptome in Schwangerschaft und frühem Wochenbett können durch physiologische Veränderungen verschleiert sein

  • Hohes Mass an klinischer Wachsamkeit ist entscheidend

Die Uhr tickt

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Behandlungspfad in der Geburtshilfe: Der erste Teil

Der erste Teil des Behandlungspfads befasst sich mit der Frage: „Könnte es sich um eine Sepsis handeln?” 

Dieser Schritt beinhaltet drei Hauptkriterien, anhand derer entschieden wird, ob Patient:innen in den Sepsis-Behandlungspfad aufgenommen werden. Zudem werden drei Aspekte aufgezeigt, die dabei helfen sollen, eine Sepsis zu erkennen.