schritt 3

Bestens. Jemand hat den Verdacht geäussert: “Es könnte eine Sepsis sein und es wurde die verantwortliche Ärztin / Arzt definiert und informiert. Im Schritt 3 des Behandlungspfades geht es jetzt darum, die Wahrscheinlichkeit einer Sepsis einzuschätzen!

Es gilt die folgenden drei Fragen zu klären:

1.      Ist eine Infektion plausibel?

2.      Liegt eine neue oder sich verschlimmernde Organfunktionsstörung vor (Herz-Kreislauf/Beatmungsgerät/neurologisch)?

3.      Ist der Patient einem hohen Risiko ausgesetzt?

Diese entscheiden dann über die nächsten Schritte (Behandlung innert 1h, innert 3h oder kein Sepsis Verdacht).

 

Frage 1: Ist eine Infektion plausibel?

Für eine Sepsis spricht:

  • Fieber/Untertemperatur
  • Grippeähnliche Symptome
  • Spezifische Anzeichen (Husten, lokalisiertes Erythem, Schwellung)
  • Patient sieht unwohl aus
  • Schüttelfrost und Schweiss
  • Fieber/Muskelschmerzen
  • Hohe Entzündungsparameter

gegen eine Sepsis spricht:

  • Klare nicht-infektiöse Erklärungssymptome
  • Intoxikation (z.B. Opiate)
  • Hämorrhagische/kardiogene Ursache
  • Nicht-infektiöse Organfunktionsstörungen

 

Frage 2: Liegt eine Organfunktionsstörung vor

 

?

 

Frage 3: Ist der Patient einem hohen Risiko ausgesetzt?

 Red Flags bei maternaler Sepsis (hohes Risiko – sofort handeln)
  • Bewusstseinsstörung, Konfusion (GCS <15)

  • Atemfrequenz ≥25/min

  • Sauerstoffsättigung <94 % unter Raumluft

  • Herzfrequenz >130/min

  • Systolischer Blutdruck <90 mmHg

  • Diurese:

    • Keine Miktion >12 h

    • Katheter: <0.5 ml/kg/h

Moderates Risiko

Moderates Risiko (zeitnahe Beurteilung nötig)

  • Verschlechterung des Allgemeinzustandes

  • Atemfrequenz 21–24/min

  • Herzfrequenz 100–130/min oder neue Arrhythmie

  • Systolischer Blutdruck 91–100 mmHg

  • Urinausscheidung:

    • Keine Miktion >12 h

    • Katheter: 0.5–1 ml/kg/h

  • Status nach invasiver Prozedur in den letzten 6 Wochen
    (Sectio, operative vaginale Geburt, Cerclage, Amniozentese, Abort etc.)

  • Beeinträchtigtes Immunsystem (Grunderkrankung oder immunosuppressive Medikamente wie Steroide)

  • Temperatur <36 °C oder >38 °C

  • Diabetes mellitus oder Gestationsdiabetes

  • Kontakt mit Gruppe A Streptokokken (Scharlach, Tonsillitis, invasive GAS Infektion)

  • Vorzeitiger Blasensprung >18–24 h

  • Anhaltende starke vaginale Blutung + Unterbauchschmerzen postpartum

  • Übelriechender vaginaler Ausfluss (Lochien)

  • Zeichen einer Mastitis puerperalis

Screening Flow maternaler Sepsis

1. Entscheidungs-Flow

Patientin mit Verdacht auf Infektion

⬇️

Frage 1: Liegt eine Red Flag vor?

Ja → ROT (Sofort handeln):

  • 1h-Bundle starten

  • Arzt rufen

  • IPS informieren

  • Source-Control prüfen

  • ISBAR-Übergabe

NeinFrage 2: Moderates Risiko?

Ja → ORANGE (zeitnahe Beurteilung):

  • Innerhalb 1h (stationär) / 3h-Bundle?

  • So bald wie möglich (ambulant)

Nein → GRÜN (Beobachten, Re-Screening)

Kernaussage
  • Time is tissuejede Stunde zählt!

  • Mortalität steigt um 8 % pro Stunde Verzögerung 

  • ZielAntibiotika innerhalb von 1h