Sepsis 6 & 1h-Bundle – Kernschritte
Das Swiss Sepsis Bundle besteht aus den folgenden 6 Massnahmen:
1. Hilfe rufen und Verantwortlichen benennen
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Eine Ärztin/einen Arzt hinzuziehen und die Verantwortliche/den Verantwortlichen bestimmen.
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Team alarmieren -> Rollen und Verantwortlichkeiten festlegen und eine ausreichende Unterstützung durch Vorgesetzte sicherstellen.
2. Ursache sichern – Diagnostik & Monitoring
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Zugang legen: 2 venöse Leitungen
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Blutkulturen:
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2x vor Antibiotikagabe
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zusätzliche Blutkulturen aus allen intravaskulären (intravenösen und intraarteriellen Kathetern)
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Labor:
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Lactatspiegel
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bei erhöhtem initialem Lactat (>2 mmol/l): Wiederholung innerhalb 1 Stunde
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Organfunktionen quantifizieren
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Gerinnungsstatus
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Nierenwerte: Harnstoff, Elektr
olyte, Kreatinin -
Leberwerte
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CRP
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Glucose
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Blutbild
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- Zusätzlich (ohne den 3. Schritt zu verzögern):
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Mikrobiologie:
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Urinstatus & Urin-Bakteriologie
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Vaginalabstrich: allgemeine Bakteriologie, ggf. Ureaplasma & Mycoplasma spp.
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Bildgebung:
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Ultraschall (Abszesspunktion)
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Röntgen Thorax
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CT bei V. a. Beckenabszess
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Bei spezifischem Verdacht: Lumbalpunktion
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3. Erstlinientherapie und empirische Antibiotika i.v. verabreichen
- basierend auf Differentialdiagnosen (Start smart)
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Cave: Periduralanästhesie
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Fieber nach PDA in 15–25 % der Fälle = epiduralbedingte Hyperthermie
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Behandlung: Paracetamol + i.v. Flüssigkeit
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Bei fehlender Besserung → Sepsisdiagnostik und -therapie einleiten
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Antipyretische Therapie
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Paracetamol: Mittel der Wahl
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Senkt Fieber → verbessert CTG-Beurteilbarkeit
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Keine Evidenz für bessere neonatale Prognose
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Ziel bleibt: Stabilisierung der Mutter
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NSAR: In der Schwangerschaft möglichst vermeiden
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Aspirin / NSAR ab >28+0 SSW kontraindiziert → Risiko für vorzeitigen Ductus-arteriosus-Verschluss
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Stillzeit: Ibuprofen ist Analgetikum der Wahl, ebenso wie Paracetamol
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Metamizol (Novalgin):
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In Schwangerschaft möglichst vermeiden
- Fallberichte zu Oligohydramnion und Ductusv
erschluss (2./3. Trimenon) In Stillzeit: einzelne Dosen möglich, Paracetamol/Ibuprofen bevorzugen
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- Antibiotikatherapie
- Sofortige Breitbandgabe nach l
okalen Leitlinien (s. Sepsis-6) - Ressourcen zur sicheren Anwend
ung in Schwangerschaft & Still zeit: - White SE et al., Antibiotics, 2025
- Embryotox.de, Charité Berlin
- App: Drugs in Pregnancy and La
ctation
- Sofortige Breitbandgabe nach l
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- Zu berücksichtigen: Allergien
spezifischer Kontext: Geburt (peri-, intra- und postpartales Management)
- Peri- und Intrapartales Management ->Wichtiges zu Mutter und Kind
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- Stabilisierung & Akutmanagement — Prioritäten
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- Mutter zuerst stabilisieren, Kind kontinuierlich CTG-überwachen
→ Massnahmen parallel organisieren (Sepsis 6, 1h-Bundle)
(Geburt bei instabiler Mutter erhöht maternale & fetale Mortalität) -
Probenentnahme vor Antibiotikagabe, aber Therapie darf nicht verzögert
- Mutter zuerst stabilisieren, Kind kontinuierlich CTG-überwachen
- Fetales Monitoring & Geburtsentscheidung
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Extrauterine Sepsis: kindliches Wohlbefinden primär abhängig vom maternalen Zustand
→ CTG-Veränderungen (fetale Tachykardie) bessern meist nach Flüssigkeit & Fiebersenkung -
Intrauterine Sepsis: CTG weniger zuverlässig
→ Hinweise auf fetale Azidose (fehlende Variabilität, persistierende Tachykardie, späte Dezelerationen) → weitere Abklärung / beschleunigte Entbindung nach Stabilisierung -
Geburtsentscheidung: individua
lisiert nach Gestationsalter, Geburtsfortschritt, kindlichem Zustand, Therapieansprechen & Präferenzen der Frau / Familie
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Frühgeburtlichkeit
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Antenatale Kortikosteroide zur Lungenreifung erwägen
→ Entscheidung abhängig von maternaler Stabilität
→ Sepsis keine Kontraindikation -
Magnesiumsulfat zur fetalen Neuroprotektion
Team & Kommunikation
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Interdisziplinäre Zusammenarbeit essenziell:
Geburtshilfe, Anästhesie, Neonatologie, Intensivmedizin, OP-Team -
Frühzeitige Einbindung der Anästhesie & klare Planung des Geburtsmodus
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Bei ungenügender Stabilisierung / fehlendem Ansprechen auf initiale Massnahmen : zeitnaher multidisziplinärer Konsens auf leitender Ebene
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- Postpartales Management – Wichtiges zur Mutter
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- Initiales Vorgehen = wie peripartal
- Ab 2. Woche post partum: Definition der Sepsis wie bei nicht schwangeren Patientinnen
- Stillen weiterführen, wenn möglich – auch bei Mastitis-Sepsis
→ Meist sind eingesetzte Antibiotika stillverträglich
→ Verträglichkeit immer mit den behandelnden Geburtshelfern / Neonatologen / Infektiologen klären
→ Cave: Referenzen zu Medikamenten in Schwangerschaft & Stillzeit -
Persistierende Symptome trotz korrekter Therapie → an Ovarialvenenthrombose denke
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Nachsorge & Entlassung:
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Patientinnen über Warnzeichen informieren
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Fieber, übelriechende Lochien, zunehmende Schmerzen, Schwäche, Dyspnoe
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Niedrige Schwelle für Re-evaluation und klare Kontaktwege definieren
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4. Beurteilen (ABC) und Organfunktion Unterstützen
- Sauerstoffgabe bei Bedarf (Hypoxämie) -> Ziel: SpO₂ >94 %
- Ausgewogene Kristalloide bei
- Hypotonie (Erwachsene: MAP < 65 mmHg)
- klinischen Anzeichen einer schlechten Perfusion (verlängerte Rekap-Zeit, marmorierte und/oder kühle Peripherie)
- erhöhtem Laktatspiegel
- Bei Bedarf eskalieren
5. Quelle kontrollieren
- Entfernung der Leitung
- Chirurgische Konsultation oder interventionelle Radiologie
6. Überwachung und Neubewertung
- Mehr dazu im Kapitel „Überwachung und Verlegung auf die Intensivstation“