In vollen Notaufnahmen, v.a. in den Wintermonaten, ist die Unterscheidung zwischen febrilen Infektionen mit Allgemeinzustandsverschlechterung und Sepsis oft schwierig. Die folgenden Warnzeichen helfen septische Kinder früh zu erkennen:

  • Unerklärte abnormale Vitalparameter: Unerklärte Tachykardie (z.B. ohne Schmerzen oder ohne Fieber) oder Tachypnoe ohne Atemwegsinfektion. Immer nach adäquater Analgesie und/oder Antipyrese klinisch neu bewerten und ggf. erfahrene Kolleg:innen hinzuziehen.
  • Dynamik: Zweigipfliger Verlauf, erneute Verschlechterung nach initialer Besserung oder schnelle Verschlechterung innerhalb 1-2 Stunden. Dahinter kann sich eine sekundäre bakterielle Infektion mit potentieller Sepsis verbergen – insbesondere nach viralen Infektionen mit Schädigung der Haut- und Schleimhautbarriere, wie z. B. Varizellen. CAVE: Viele Kinder mit Sepsis wurden zuvor mehrfach ärztlich vorgestellt. Beurteile jedes Kind und bestehende Diagnosen stets unvoreingenommen – und lass dich nicht von Vorbefunden täuschen.
  • Ungutes Bauchgefühl: Elterliches oder fachliches „ungutes Gefühl“ ernst nehmen – bei Unsicherheit veranlasse eine längere Überwachungsperiode oder weitere Abklärungen.
  • Pain out of proportion / unerklärlich starke Schmerzen: Starke Schmerzen ohne erklärbares klinisches Korrelat (z. B. Ganzkörperschmerzen bei beginnender Rhabdomyolyse) können auf Sepsis hinweisen. Sie passen zu den üblichen viral bedingten Gliederschmerzen nicht.
 
Pitfalls oder häufige Fehler bei der Diagnosestellung 
  • Normaler Blutdruck täuscht: Herzgesunde Kinder kompensieren lange – Tachykardie kann das einzige frühe Zeichen einer Hypovolämie/Sepsis sein
  • Fieber erklärt nicht alles: Tachykardie und Tachypnoe können durch Fieber, Schmerzen oder Angst entstehen – bleiben sie trotz Normalisierung bestehen, denke an Sepsis. Cave: Normale Vitalzeichen ≠ gesundes Kind! Entscheidend ist die Gesamtschau: Anamnese, Allgemeinzustand, Vitalparameter, Klinik und Laborwerte
  • „Mühsame“ Patienten nicht unterschätzen: Ungeduldige Eltern, häufige Wiedervorstellungen oder unkooperative Kleinkinder bergen die Gefahr vorschneller Entlassung. Nimm dir auch für diese Patienten Zeit, hinterfrage die Diagnose und besprich dich im Team