Nosokomiale Infektionen
Completion requirements
Nicht jede Sepsis beginnt bei Spitaleintritt
Eine Sepsis kann sich im Verlauf des Spitalaufenthalts entwickeln – insbesondere bei Patient:innen mit invasiven Fremdmaterialien oder geschwächtem Immunsystem.
Auf pädiatrischen Allgemeinstationen, besonders in den Wintermonaten, ist es wichtig, Kinder mit erhöhtem Sepsisrisiko früh zu erkennen. Diese Patientengruppen benötigen bei Fieber oder Allgemeinzustandsverschlechterung besondere Aufmerksamkeit und engmaschige Überwachung:
- Früh- und Neugeborene (v. a. in den ersten 3 Lebensmonaten): Unreifes Immunsystem und geringere Kompensationsfähigkeit führen zu schnellerer potenziell lebensbedrohlicher Verschlechterung. Fieber bei Kindern <3 Monate erfordert eine sofortige, umfassende Abklärung und je nach Risikokonstellation empirische Antibiotikatherapie.
- Immunsupprimierte Kinder (z. B. onkologische Patient:innen, mit angeborenen Immundefekten, unter immunsupprimierenden Medikamenten wie regelmässig eingenommenen Steroiden, Immunmodulatoren wie Tracrolimus oder Biologicals wie Infliximab):
Neutropenie (neutrophile Granulozyten <1.5 G/L) oder Immundefekte (ggf. In der Familienanamnese) erhöhen das Risiko für schwere Infektionen. - Fieber in Neutropenie ist ein medizinischer Notfall und muss umgehend nach der Abnahme der Blutkulturen empirisch antibiotisch behandelt werden.
- Kinder mit Komorbiditäten (z. B. chronische neuromuskuläre, kardiopulmonale, Magen-Darm- oder Nierenerkrankungen, Verbrennungen):
Verschiedene Mechanismen – verminderte Sekretmobilisation, Verlust von Abwehrproteinen oder gestörte Hautbarriere – begünstigen schwere Infektionen. - Ungeimpfte Kinder: Höheres Risiko für invasive Infektionen durch z.B. Pneumokokken, Haemophilus influenzae oder Meningokokken. Diese Erreger waren vor dem Impfzeitalter die häufigsten Ursachen für eine Sepsis bei Kindern.
- Kinder mit Fremdmaterial (v. a. zentralvenöse Katheter): Kinder mit Fremdmaterial im Körper (z. B. Zentralvenenkatheter, Port-a-Cath, PICC “Peripherally Inserted Central Venous Catheter”, Dauerkatheter, Ventrikulo-peritoneale Shunts, künstliche Herzklappe) haben ein erhöhtes Sepsisrisiko. Gründe:
Gründe:
- Gestörte Barrierefunktion → Eintrittspforte für Hautbakterien
- Häufige Manipulation / unsteriles Arbeiten → Keimeintritt
- Biofilm-Bildung auf Fremdmaterial
ZVK-assoziierte Sepsis
Häifig liest man auch den Begriff: CLABSI (Central Line Associated Blood Stream Infection)
Vorgehen beim Vorhandensein eines Katheters:
- Bei neu auftretendem Fieber → an CLABSI denken!
- Diagnostik: Blutkulturen (gleichzeitig aus ZVK + peripher), im Fall von Katheterzug Katheterspitze ad Kultur schicken!
- Therapie: Empirische Breitspektrum-Antibiose, bei bestätigter Infektion ZVK rasch entfernen/wechseln (Source Control)
PrPrävention – Schlüssel zur Sicherheit
- Zentrale Massnahmen:
- Tägliche Überprüfung der Katheterindikation
- Aseptische Technik bei Anlage und Manipulation von Kathetern
- Konsequente Händehygiene vor jedem Patientenkontakt
- Rasche Entfernung unnötiger Katheter oder Zugänge
- Regelmässige Haut- und Wundinspektion, um Infektionen früh zu erkennen
📌Merke:
Die tägliche Überprüfung der Notwendigkeit von Kathetern ist genauso entscheidend wie eine saubere, aseptische Technik beim Einbringen jedes Fremdmaterials..