Insbesondere die Arbeit in der Notfallmedizin ist von häufigen Unterbrechungen und Schichtwechseln geprägt, sodass regelmässig Übergaben notwendig sind. Aus der Forschung zu Fehlern in der Medizin wissen wir, dass Übergaben Hochrisikosituationen sind, weil schnell relevante Informationen verloren gehen können. 

Um dem entgegen zu wirken, kommen Checklisten und Schemata zur Anwendung, welche ähnlich wie bei den Checks vor dem Start eines Flugzeuges helfen, keine relevanten Punkte zu übersehen.

Das ISBAR-Schema ist ein solches strukturiertes Kommunikationswerkzeug in der Pflege und Medizin, um Informationen präzise und lückenlos weiterzugeben. Wir möchten dir dieses Schema examplarisch vorstellen und auf seine 5 Schritte eingehen: 

  • I – Identifikation: Wer spricht mit wem? Um welchen Patienten geht es (Name, Zimmer)?
  • S – Situation: Was ist das aktuelle Problem? Warum erfolgt die Übergabe genau jetzt?
  • B – Hintergrund (Background): Was ist die Vorgeschichte? (Eintrittsgrund, Diagnosen, Medikation, Allergien, bisheriger Verlauf).
  • A – Analyse (Assessment): Wie schätze ich die Lage ein? (Aktuelle Vitalwerte, Schmerzskala, klinischer Eindruck).
  • R – Empfehlung (Recommendation): Was muss als nächstes getan werden? Was erwarte ich vom Gegenüber (z. B. ärztliche Anordnung, Untersuchung)?

Natürlich existieren verschiedene Werkzeuge und Schemata für strukturierte Übergaben; oft werden sie auch kombiniert, so kann zum Beispiel das SAMPLER-Schema den Unterpunkt "Background" von ISBAR strukturieren oder das "Assessment" nach dem ABCDE-Schema erfolgen, um keine Organsysteme zu überspringen. Wichtig ist einfach, dass ihr an eurer Institution möglichst "die gleiche Sprache sprecht" - vom Rettungsdienst über die Notfallpflege zur Ärzt:innenschaft bis zum Personal auf Normal- und Intensivstation. Nur so können Übergabefehler minimiert werden!

Im Umgang mit Sepsis möchten wir für die Übergabe nach ISBAR noch einige spezifische Punkte besonders hervorheben:

  • Verdachtsdiagnose Sepsis nochmals klar aussprechen inkl. Infektionsfokus, Schweregrad, Organdysfunktionen
  • Erfolgte, aber insbesondere auch noch ausstehende Diagnostik (z.B. "2x2 Blutkulturen abgenommen, Lumbalpunktion noch nicht erfolgt!")
  • Zeitpunkt der erfolgten und der nächsten Antibiotikagabe
  • Notwendigkeit weiterer Fokussuche
  • Potenzielle Risiken, erwartbare Komplikationen und mögliche Therapieeskalationen (Intensivstation bereits vorinformiert, Patientenverfügung beachtet?)